Abstrakt:
Die Reisekultur der Frühen Neuzeit berücksichtigte meist die Reisenden aller Professionen und lieferte die bekanntesten Reiseziele und -motive, unter denen Bildungs- und Vergnügungsreisen, von Ärzten empfohlene Badereisen, Kavalierstouren oder Künstler- und Gelehrtenreisen am populärsten waren. Man besuchte wissenschaftliche Gesellschaften wie auch einzelne Gelehrte, Kunst- und Naturaliensammlungen und Bibliotheken und wies Interesse am wissenschaftlichen Leben oder an der Gelehrtenwelt der besuchten Stadt auf. Die Aufmerksamkeit verdienen in dieser Hinsicht beispielsweise die Reisebeschreibungen von Johann III. Bernoulli oder Joachim Christoph Friedrich Schulz, wo sie u. a. die Naturforschende Gesellschaft zu Danzig, die Załuski Bibliothek oder das Kadettenkorps in Warschau schilderten. Der Wandel im Diskurs über Polen war von den nationalgefärbten Debatten und der Änderung der gegenseitigen kulturellen Verhältnisse zwischen den deutschen Fremden und den Polen bedingt. Die Frühe Neuzeit ist daher als eine Zeitspanne der intensiven kulturellen Beziehungen und des Kulturtransfers zu bezeichnen. Die fremden Beobachter führten ihren Dialog mit den polnischen Gelehrten, Forschern, Schriftstellern, Politikern, den aufgeklärten Adeligen, in manchen Fäl-len auch mit dem König selbst, und hatten nicht selten rein persönliche und wissenschaftliche Kontakte zu ihnen. Ihre Berichte und Reisebeschreibungen über Polen galten als ein Beitrag zum deutsch-polnischen Kulturtransfer. Und eine solche Form der Kontakte unterschied sich bis 1800 keineswegs von der europäischen Gelehrtenrepublik